23.11.2015

Organe schützen – Informationen nützen

Wissensaustausch und Podiumsdiskussion zur Immunsuppression

„Immunsuppression heute & morgen“! Unter diesem Motto stand die Informationsveranstaltung für Transplantierte aller Organe, Betroffene auf der Warteliste, chronisch Kranke, Angehörige und Interessierte. Auf Initiative von Claus Pohnitzer, Obmann der Selbsthilfe Niere und mit Unterstützung von Astellas Pharma lauschten rund 180 Interessierte und Betroffene im C3 Convention Center, Wien den Vorträgen der österreichischen Elite im Bereich der Transplantationsmedizin Univ. Prof. Dr. Alexander Rosenkranz, Uniklinik Graz, Univ. Prof. Dr. Andreas Zuckermann, AKH Wien und Univ. Prof. Dr. Ferdinand Mühlbacher, AKH Wien.

Ein Höhepunkt des Programms war u.a. der Vortrag von Univ.-Prof. Dr. Alexander Rosenkranz, der bei seinem Vortrag einen Blick auf die Gegenwart und die zukünftige Entwicklung im Bereich der Immunsuppression gewährte. „Die Immunsuppression hat sich in den letzten Jahren dahingehend geändert, dass es zu einer deutlichen Verbesserung der akuten Abstoßungsrate unmittelbar nach Transplantation gekommen ist. Die Therapie wird zunehmend individualisiert, und so kann auf Nebenwirkungen von Immunsuppressiva besser eingegangen werden. Neue Therapieoptionen inklusive Zelltherapie sind am Horizont und es ist davon auszugehen, dass es auch hier in den nächsten Jahren zu einer weiteren Verbesserung kommen wird“, ist Univ. Prof. Dr. Alexander Rosenkranz, Uniklinik Graz überzeugt.

Lebensqualität steigt nach Organtransplantation

In einer Podiumsdiskussion wurde von den anwesenden Experten diskutiert, welche Auswirkungen die Transplantation auf die Lebensqualität hat. Dabei wurde auf der Bühne sowohl die medizinische und psychologische, als auch die ganz persönliche Sichtweise aufgegriffen und auf die Fragen des Publikums eingegangen.

In einem Punkt waren sich Betroffene und Experten einig: Eine Transplantation krempelt das Leben des Organempfängers komplett um – im positiven Sinn! Die Lebensqualität in der Zeit nach der Transplantation wird von den Betroffenen häufig als höher empfunden als in der Zeit zuvor. Dies belegen auch Studien, die die empfundene Lebenszufriedenheit von Organempfängern vor und nach einer Transplantation miteinander vergleichen. Eine GfK-Studie unter Transplantationspatienten zeigt auf, dass die Lebensqualität nach einer Transplantation eindeutig als besser bewertet wird. Auf einer 10-teiligen Skala (0 = „Lebensqualität sehr schlecht“,10 = „Lebensqualität sehr gut“) wird die Lebensqualität vor der Transplantation mit 3,6 – danach mit 8,2 beurteilt. Der Einfluss der immunsuppressiven Therapie auf die persönliche Lebensqualität, wird in der Studie mehrheitlich positiv beurteilt, weil sie das Organ erhält und damit das eigene Leben bzw. die eigene oder erreichte Lebensqualität sichert.

Lebensqualität - was heißt das eigentlich? Sich den Dingen widmen zu können, die für das eigene Leben wichtig sind: Familien- oder Freizeitaktivitäten, am gesellschaftlichen Leben teilnehmen, ohne durch den eigenen Körper daran gehindert zu werden. Das ist es, was viele transplantierte Menschen durch ihre oft jahrelangen Vorerkrankungen und die anschließende intensive medizinische Betreuung im Rahmen der Transplantation vermissen.

„Das Langzeit-Überleben und vor allem die Lebensqualität von Patienten mit einem Spenderorgan sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Möglich gemacht wurde der Erfolg durch den großen Einsatz eines engagierten Ärzteteams und optimierter Medikamentenversorgung. Eigenverantwortung der PatientInnen ist der kritische Faktor für das Überleben“, erklärt Univ. Prof. Dr. Andreas Zuckermann, AKH Wien, Abteilung für Herz-Thoraxchirurgie.

Informationen zur Transplantation – kompakt, übersichtlich, verständlich:

Wissen ist Macht – Macht sein eigenes Spenderorgan zu schützen! Doch für viele transplantierte Menschen stellt die Komplexität von immunsuppressiven Therapien – mit vielen verschiedenen Medikamenten und variierenden Dosierungsintervallen – ein Problem dar. Studien haben gezeigt, dass die Nichtadhärenzrate bei Empfängern von Herz-, Leber- oder Nierentransplantaten zwischen 20 und 50 % liegt.

Einen ersten innovativen Ansatz zur Verbesserung der Adhärenz von Menschen mit Spenderorganen bietet seit letztem Jahr die APP myOrgan. Die APP erinnert organtransplantierte PatientInnen unter anderem an die Medikamenteneinnahme, hält Gesundheitsdaten fest und trägt somit zur Verbesserung von Therapien bei. Im aktuellen Update wurde die APP noch benutzerfreundlicher gestaltet und mit zusätzlichen Tools ausgestattet.

Zu den wichtigsten Informationsquellen zu Gesundheitsthemen zählt das Internet. Dieser Tatsache folgend, wurde die neue Website www.meinetransplantation.at konzipiert. Mit der Website will man betroffene Patienten und ihre Angehörigen aufklären. Kompakt, übersichtlich und verständlich bietet die Website Informationen zum Ablauf einer Transplantation, Erfahrungsberichte, Information zur Medikation, hilfreiche Tipps für den Alltag, wichtige Transplantationskontakte in Österreich und vieles mehr.

„Neue Technologien wie APPs können die Selbstständigkeit und Eigenverantwortlichkeit der organtransplantierten Patienten stärken. Es geht darum, Patienten mit einem Spenderorgan zu befähigen, ihren Gesundheitszustand betreffende Informationen zu beschaffen, zu verstehen und anzuwenden“, ist Dr. Miroslaw Lubecki, Geschäftsführer von Astellas Pharma, überzeugt.