24.09.2015

Allianz Chronischer Schmerz verleiht „Goldene Dolores 2015“

Förderpreis für innovative Projekte zur Behandlung von Betroffenen mit chronischen Schmerzen

Wien, 23. September 2015. Erstmals hat eine Patientenorganisation – die „Allianz Chronischer Schmerz“ – einen Förderpreis ausgeschrieben, der heute im Hauptverband der Österreichischen Sozialversicherungsträger vergeben wurde. Ausgezeichnet wurden dabei jene Teams von Ärzten, Therapeuten sowie Gesundheitsberufen, die auf freiwilliger Basis kooperieren und unter Nutzung der kassenfinanzierten Leistungen eine bestmögliche Versorgung von Schmerzpatienten erzielen. Die mit insgesamt 6.000 Euro dotierten Preise gingen an die Projekte „Ärzte-Netzwerk Styriamed Hartberg-Fürstenfeld“, „Ambulante Psychosoziale Rehabilitation (APR Salzburg)“ und die „SeneCura-Heime“. Gewinner der „Goldenen DOLORES“ wurde das Ärzte-Netzwerk Styriamed Hartberg-Fürstenfeld“

Die rund 1,5 Millionen Menschen mit chronischen Schmerzen empfinden die schmerzmedizinische Versorgung in Österreich alles andere als befriedigend. In den durchschnittlich 2,5 Jahren bis zur Erstellung einer Diagnose konsultieren nahezu ein Drittel der Schmerzpatienten mehr als fünf Ärzte, rund 40 Prozent sind dennoch mit der Behandlung unzufrieden und fühlen sich nicht verstanden. Anstatt die Versorgungsstrukturen auszubauen, wurden in den letzten zwei Jahren neun Schmerzambulanzen geschlossen.

Best-Practice-Modelle in der Schmerztherapie

Die vor drei Jahren gegründete „Allianz Chronischer Schmerz“ – eine Plattform von 47 einschlägigen Selbsthilfegruppen – setzte es sich deshalb zum Ziel, jene Initiativen aufzuspüren, die nicht erst auf die nächste Gesundheitsreform warten, sondern längst eigene Wege gehen: Indem möglichst viele ärztliche Disziplinen nicht nur bei der Diagnose-Erstellung sondern auch bei der nachfolgenden Therapie kooperieren. Denn erst durch eine freiwillige Zusammenarbeit mit sämtlichen Gesundheitsberufen  kann eine multimodale Therapie verwirklicht und der Leidensweg der Schmerzpatient/innen verkürzt werden. Solche Best Practice Modelle galt es zu finden und vor den Vorhang zu bitten, damit deren vorbildhaftes Agieren möglichst viele Nachahmer findet. Dank der Unterstützung seitens der pharmazeutischen Industrie war es möglich diese bereits bestehenden Teams zu finden und auszuzeichnen.

„Mit der Verleihung des Förderpreises setzen wir ein Zeichen, wie wichtig uns allen diese Kooperation unterschiedlicher Gesundheitsberufe ist“, lobte der Präsident des Hauptverbandes, Mag. Peter McDonald anlässlich der Preisverleihung. Denn: „Das interdisziplinäre Teamwork gewinnt in unserem Gesundheitssystem immer größere Bedeutung. Alle Berufsgruppen, die dem medizinischen Bereich angeschlossen sind – ob akademische oder nicht akademische dienstleistende Berufe – benötigen diese Art der Zusammenarbeit, um so die bestmögliche Therapieerfolge zu erreichen und um optimale Hilfe für Betroffene zu leisten“.

Immerhin gab es 19 Einreichungen quer durch Österreich, von denen die meisten die Hauptkriterien „innovativ“, „kassenfinanziert“, „übertragbar“ erfüllten. „Wir waren von der Vielzahl der Einreichungen überrascht und beglückt zugleich“, so die Sprecherin der Schmerzallianz, Dkfm. Erika Folkes: „Die eingereichten Projekte lagen in ihrer Bewertung so dicht beieinander, dass es unserer Fachjury  sichtlich schwer gefallen ist die am besten geeigneten herauszufiltern“. Schließlich machte das Netzwerk Styriamed Hartberg-Fürstenfeld die gelungene Zusammenarbeit über Ortsgrenzen hinweg zwischen niedergelassenen Allgemein- und Fachmediziner/innen und der Schmerzambulanz des LKH Hartberg das Rennen um die „Goldene Dolores“. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit bei der Befunderhebung durch Austausch der Patienten-Daten, sowie eine ausgelagerte multimodale  Therapie ist seit drei Jahren eine Erfolgsgarantie, was von der lokalen Schmerz-Selbsthilfegruppe auch bestätigt wird.

Der 2. Preis ging an die Salzburger Ambulante Psychosoziale Rehabilitation (APR), ein Projekt das erstmals die psychosozialen und psychosomatischen Auswirkungen des chronischen Schmerzes berücksichtigt und ambulant behandelt.

Der 3. Preis richtet sich an jene Menschen mit chronischen Schmerzen, die sich selbst nicht mehr artikulieren können. Das mit Hilfe der OSiA- Studie der Salzburger Paracelsus Universität umgesetzte Projekt „Schmerzfreies Pflegeheim“ verhilft derzeit 3.400 Bewohner/innen in 52 SeneCura-Heimen zu einer besseren Lebensqualität.

„Bei den erstmals vergebenen drei Förderpreisen geht es nicht um wissenschaftliche Spitzenforschung“, erklärte Univ. Prof. Dr. Hans Georg Kress in seiner Laudatio: „Vielmehr werden von einer Patientenorganisation innovative Schmerzbehandlungs-Projekte ausgezeichnet, die eine interdisziplinäre und multiprofessionelle Zusammenarbeit zur unmittelbaren Verbesserung der Versorgung von Schmerzpatienten erreicht haben.  Als unabhängige Jury“, so der Vorsitzende  der Fachjury, „haben wir besonderes Augenmerk gelegt auf den offenen Zugang für Kassenpatienten, praktische Umsetzbarkeit im Gesundheitssystem, Ausbaufähigkeit und die möglichst einfache zukünftige Übertragbarkeit der preiswürdigen Modellprojekte auf andere Institutionen und Regionen Österreichs.”

Der Hauptverband der Sozialversicherungsträger ist offenbar zur Förderung von derartigen Initiativen bereit. „Die ‚Allianz Chronischer Schmerz Österreich‘ hat mit dem Förderpreis einen weiteren wichtigen Schritt für die Realisierung von optimalen Versorgungsstrukturen im Bereich der Schmerztherapie gesetzt“, so Präsident McDonald. Nachsatz: „Was wir alleine nicht schaffen, das schaffen wir dann gemeinsam!"